Straßenfotografie oder Streetfotografie

Posted on
Berlin schwarzweiss 2022 STR01882

Das Thema, die Straßenfotografie, begeistert immer mehr Fotografinnen und Fotografen. Die Streetfotografie, ja ist falsch geschrieben Sorry, ist gerade in Deutschland ein heißes Thema. Denn hier muss Du als Fotograf auch die rechtlichen Dinge beachten. Aber dazu später mehr.

Was ist Streetphotography

Bei der Streetfotografie bewegen wir uns meistens im freien, öffentlichen Raum und fotografieren Menschen, nicht gestellt, in der Freizeit, bei der Arbeit oder auch bei einer Veranstaltung. Dabei wollen wir die Umgebung auch oft mit einbinden und dem Betrachter z.B. die Frau am Schaufenster, die die Ware betrachtet darstellen. Ziel ist es dann die komplette Situation ins Bild zu bringen. Aber auch einen Ausschnitt der Szene, wie das Lächeln auf dem Gesicht, kann noch zur Streetfotografie gehören. Wobei ich dann schon eher von einem Portrait reden würde.

Stimmung einfangen, Charakter präsentieren oder einfach nur das Treiben auf der Straße einfangen, dass sind typische Situationen der Street Photography.

Das Recht jeder Person muss beachtet werden

Besondere Aufmerksamkeit ist bei der Streetfotografie schließlich auch stets der Abbildung von Personen zu widmen.

Hierbei sind nunmehr seit 2018 – jedenfalls im Bereich der Digitalfotografie – insbesondere die Vorgaben der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zu beachten. Die Verwertung von Personenfotografien bedarf danach stets einer Berechtigung (Art. 6 DSGVO). Neben der Einwilligung und der Vertragserfüllung kennt die DSGVO vor allem eine Rechtfertigung bei Vorliegen berechtigter Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO).

Ob „berechtigte Interessen“ vorliegen, ist anhand einer umfassenden Interessenabwägung festzustellen. Gegenüberzustellen sind die Interessen des Abgebildeten am Schutz seiner personenbezogenen Daten und die Interessen des Fotografen im Rahmen seines Rechts auf freie Meinungsäußerung und Informationsfreiheit. Zur letzteren zählen auch journalistische, wissenschaftliche, literarische oder eben auch künstlerische Zwecke.
Das ist ein kleiner Auszug aus einem interessanten Artikel zu diesem Thema. Den findet ihr hier https://www.berufsfotografen.com/news/street-photography-und-recht-was-man-als-fotograf-wissen-muss

In Deutschland sollte man sich tatsächlich die Zeit nehmen, denn die persönlichen Rechte anderer und auch das Urheberrecht könnten zur „Falle“ werden.

Du möchtest die ersten Schritte machen

Wenn Du dir Gedanken über den rechtlichen Rahmen gemacht hast und auch weißt, was du mit deinen Bildern später machen möchtest, dann solltest Du die ersten Schritte machen. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten an die Sache ran zu gehen um die ersten Erfahrungen zu sammeln.

  • lange Brennweite 200 bis 400mm und so weit genug weg zu sein und vielleicht heimlich das Objekt der „Begierde“ zu fotografieren. Aber du musst für dich entscheiden, ob das fair ist und ob du damit erfolgreich bist.
  • kurze Brennweite von 35 bis 85 mm und das Objekt der „Begierde“ nimmt dich wahr. Das ist in meinen Augen die richtiger Herangehensweise um tolle Bilder zu bekommen. Klar man muss aktiv den Kontakt zu fremden Menschen suchen. Du solltest sie fragen und mit ihnen reden, was du gerne fotografieren möchtest. Aber so kommt es auch zur Interaktion mit der Person vor der Kamera. Dabei musst du dir öfter mal eine Absage einhandeln, aber mit jeder Absage bekommst du auch ein besseres Gefühl und sprichst vielleicht beim nächsten mal die Person anders an. Die 35 mm im Kleinbildformat nennt man auch die Reportagelinse, denn sie wird oft bei Reportagen benutzt. Deshalb nutze ich bei der Straßenfotografie oft meine FujiFilm X100V um auf der Straße unterwegs zu sein – klein, kompakt und robust.

Tipps von mir für den Anfang

Spiele mit der Schärfe fokussiere bei deiner Streetfotografie eher auf den Vorder- oder Hintergrund. So sind dann die Menschen eher unscharf auf dem fertigen Bild. Oder fotografiere z.B. an der Straße eher die Füße/Schuhe/Beine und bringe so auch etwas Bewegung ins Bild. Was ich damit meine siehst du auf dem folgenden Bild.

Straßenfotografie in Berlin am Ku´damm 2023
Berlin 2023 zwei Personen bewegen sich über den Fußgängerweg.

Oder wenn Du einzelne Personen oder Paare fotografieren möchtest, dann fotografiere sie doch erst mal von hinten. Auch ein Rücken kann bekanntlich entzücken. Dann macht sich der Betrachter vielleicht mehr Gedanken, wie die fotografierten Menschen wohl im Gesicht aussehen. Oder fotografiere gegen das Licht und erstelle eine Silhouette der Person.

Und was immer toll ankommt ist folgender Tipp, den ich zwei Wochen lang für ca. 200 Aufnahmen in Spanien genutzt habe.

Ich hatte Visitenkarten mit und habe die Menschen angesprochen und sie gefragt. Und ihnen gesagt, wenn Sie mir eine Mail mit Tag und Ort schicken, dann schicke ich ihnen sehr gerne das fertige Bild. Das hat super geklappt und ich konnte später den einen oder anderen fragen, ob ich das Bild veröffentlichen darf. Eine Auswahl kannst Du in dem Clip sehen.

Fotowalk Vorbereitung März 2023 - Menschen

Setzte dich an einen belebten Platz und schaue einfach dem Treiben zu. Vielleicht bei einem Kaffee, und so kannst du unbeobachtet Eindrücke und Ideen sammeln. Stift und Zettel sollte man immer dabei haben, um die Ideen festzuhalten, denn irgendwann fragst du dich was kann ich heute fotografieren?

Wenn Du bei deinem Streifzug eine Handvoll guter Fotos zusammen bekommen hast, dann kannst Du auf diese Ausbeute stolz sein. Und sei vom ersten Ausflug an gleich kritisch mit deiner Arbeit und lösche Bilder die dir nicht zu 100% zusagen. Denn eines kann ich dir jetzt schon sagen: Diese Aufnahmen schaust du dir niemals mehr an!

Stephan´s Erfahrung

Versuche Geschichten mit deinen Bildern zu erzählen und wenn es dir schwer fällt das „Eis zu brechen“ dann beginn mit der langen Brennweite und taste dich langsam ran an die Personen. Und wenn Du Literatur suchst, dann kann ich dir das Buch von Valérie Jardin empfehlen. Ich liebe ihre Arbeiten und lasse mich oft inspirieren.

Du kommst aus Berlin und willst gerne mit anderen zusammen fotografieren, dann schaue doch mal hier auf meiner Seite vorbei, wo ich Fotowalks präsentiere und du auch Termine findest. Und solltest du eigene Ideen und Tipps für andere haben, dann freue ich mich über deinen Kommentar.

So und jetzt die Akkus laden, die Speicherkarte formatieren und dann geht es auf die Straße! Viel Spaß dabei!

Dein Stephan aus Berlin

9 Replies to “Straßenfotografie oder Streetfotografie”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert